Festpreis in Wirtschaftskanzleien – Legal Tech zwingt zu neuer Honorarstruktur

Festpreis in Wirtschaftskanzleien – Legal Tech zwingt zu neuer Honorarstruktur

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Neues Preismodell in wirtschaftsberatender Sozietät: Pauschalen und Caps sind out. Mandanten verlangen echte, unverhadelbare Festpreise. Folge: Anwälte gehen ins Risiko.

Pauschalen und niedrige Stundensätze (von denen – ein Schelm, der Böses dabei denkt – besonders viele aufgeschrieben wurden) standen in dem zweifelhaften Ruf, lediglich Mandatsköder zu sein.
Fast wurden Korrekturen der Anfangsversprechen schon erwartet; Kanzleien taten sich damit langfristig keinen Gefallen.
Eine 2015 gegründete wirtschaftsberatende Kanzlei in Hamburg mit dem Namen „Pier 11“ macht damit Schluss.
Sie vertritt offensiv die Festpreisberatung bei Unternehmermandanten.

Der “Pier 11” – Gründer RA Prof. Dr. Stephan Göthel schreibt dazu:

Wir bieten unseren Mandanten soweit wie möglich proaktiv Festpreise für unsere Leistungen an. Wir gehen dadurch bewusst ins Risiko. Nachverhandlungen bei Mehraufwand lehnen wir ab. Wir setzen uns mit ihnen zusammen und besprechen vorher, was es genau kosten wird.
Oft machen wir zwei oder mehr Angebote, damit der Mandant die mögliche oder evtl. später notwendige Leistungsspanne nachvollziehen kann:

Preismargen
Ein Preis betrifft dann beispielsweise die weniger intensive Prüfung zu einem Festpreis, eine andere betrifft ein aufwändiges Gutachten, ebenfalls zu einem Festpreis, in demselben Fall.
Wir ersparen unseren Mandanten bange Nachfragen nach dem „zu erwartenden Umfang“ unserer Arbeit. Wir ermöglichen ihnen, uns sofort – und ohne Furcht vor der „laufenden Uhr“ – während des Mandats anzurufen, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert oder sie sich nicht sicher sind.
Wir erklären auch, in welchen Fällen ein solcher Festpreis nicht möglich ist, etwa in einem Gesellschafterstreit oder anderen komplexen Verhandlungssituationen mit unvorhersehbarem Ablauf.

Wie kamen wir auf dieses Modell?
Mandanten wollen immer vorher wissen, was es am Schluss kostet. Sie haben oft ein festes (seltener lediglich ein gefühltes) Budget „im Nacken“, das nicht überschritten werden darf.
Dazu passt unserer Erfahrung nach die übliche Vorgehensweise von wirtschaftsrechtlich beratenden Kanzleien eher nicht: Das Mandat wird nicht durch kaufmännische Lösungsoptionen regiert, sondern oft genug durch eine beidseitige Furcht wegen des Honorars:
Viele Geschäftsmandanten fürchten, ihren Anwalt bei einer Komplikation sofort anzurufen, weil dann sofort die Uhr läuft.
Durch die Verspätung riskieren sie erst recht den Verlust von Geld, Zeit und Handlungsmöglichkeiten.

Dem Preisdruck begegnen
Viele Anwälte fürchten, ihren Geschäftsmandanten reinen Wein über den möglichen Umfang des Mandats einzuschenken, weil der Mandant sich dann abwenden könnte.
Von vornherein zu niedrige Pauschalen oder Caps sind die Folge, die schon nach kurzer Zeit nicht mehr haltbar sind.

Frust durch Intransparenz
Frust ist die Folge, ebenso ausgelöst durch unangekündigte Associatestunden auf der Rechnung. Ein empfindlicher Vertrauensverlust sowie eine beidseits als unwürdig empfundene Feilscherei ist das Ergebnis, wenn unbesprochene Honorarteile auf der Rechnung auftauchen.
Das befürchten unsere Mandanten zu Recht nicht. Im Gegenteil. Sie sagen uns: „Sie agieren genauso unternehmerisch wie wir.“ Darauf sind wir stolz.

Prof. Dr. Stephan R. Göthel, LL.M. (Cornell), Rechtsanwalt und Wirtschaftsmediator, Partner,
Pier 11, Hamburg, tel: 040 30 37 529 0, www.pier11.de

Basis-Informationen Kanzleimarketing:

Aufsatz Marktpositionierung I
Aufsatz: Marktpositionierung II
Aufsatz: Kanzleikultur
Aufsatz: Kanzleimarketing
Aufsatz: Kanzleiwebseite
Aufsatz: Legal Tech
Aufsatz: beauty contest
Aufsatz: Honorarinformation
Aufsatz: Mandantenbefragung
Aufsatz: Mandantengespräch
Aufsatz: Mandantengespräch: Todsünden
Aufsatz: Schwierige Mandanten

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