Kanzleikultur: Der Schlendrian

Der Schlendrian hatte vor längerer Zeit hier Einzug gehalten. Er war bei Mandanten und Mitarbeitern ungefähr so beliebt wie die Staubbällchen unterm Sofa.

Lesen Sie hier den kompletten Aufsatz: Der Schlendrian – Wie eine kleinere Kanzlei ihre Kanzleikultur erfolgreich vergrößerte

Anwaltskanzleien sind ja nicht gerade als Wellness-Oasen bekannt.

Wir schauen jetzt durch dass Schlüsselloch in eine kleinere Kanzlei mit sechs Anwälten, acht Rechtsgebieten und zehn Mitarbeiterinnen.
Der Schlendrian hatte vor längerer Zeit hier Einzug gehalten.
Er war bei Mandanten und Mitarbeitern ungefähr so beliebt wie die Staubbällchen unterm Sofa.
Achten Sie auf Warnsignale:

Der Schlendrian zeigte sich täglich. Je mehr er übersehen und überhört wurde, desto unerbittlicher forderte er sein Recht. Manche Bewohner des Hauses ergaben sich dem Schlendrian äußerst bereitwillig und

• ersetzten Mitarbeiterführung in der Kanzlei durch gebrüllte Befehle
• vermieden ernst gemeintes Lob
• verwechselten Kritik mit „Nörgeln im Ärgerstatus“
• grüßten nur Richter, Kollegen und ihre eigene Grandiosität
• vermieden Anweisungen aller Art
• transportierten ungebremst und divenhaft privaten Ärger ins Büro
• ließen täglich mehrere Stunden lang nach den passenden Akten suchen
• bewarfen ihre „Sekretärinnen“ kurz vor Feierabend mit „dringenden Fristsachen“
• bewerteten Paragrafenkenntnis höher als Arbeitsatmosphäre
• inszenierten sich in Partnersitzungen als defizitäre Einzelkämpfer
• ließen unwirsche Begrüßungen von Gästen am Empfang zu
• duldeten Unpünktlichkeit, vor allem die eigene
• führten selbst ihre Terminkalender (es gab in der Kanzlei vier unterschiedliche!!)
• ersetzten effiziente Akquise durch Angeberei und Verallgemeinerungen
• würzten ihre Mandantenkontakte durch rechtstechnische Ergüsse
• tolerierten nabelfreie T-Shirts und sichtbare Tattoos am Empfangspersonal
• hörten nicht auf ihre Assistentinnen
• ließen Aufstiegskriterien für den Partnerstatus im Dunkeln
• rollten die Augen über den „Zickenkrieg“ im Notariat
• ließen Mandanten warten
• übersahen täglich Müllsäcke auf dem Kanzleiparkplatz
• diktierten auch nach Kritik nuschelige Texte mit falscher Interpunktion aufs Band
• wehrten sich gegen allwöchentliche Schnittblumenlieferungen

Doch erst als dem Haus so langsam die Gäste ausgingen, schritten die Hausherren ein und riefen einen externen Schlendrian-Jäger. „Was können wir – so auf die Schnelle – tun, um die Mandanten wieder an uns zu binden?“ war der verzweifelt klingende Arbeitsauftrag.