Legal Tech Start-Ups

IV. Legal Tech | 20 Beispiele für Start-ups am deutschen Markt16

Derzeit ist der Anteil von Legal Tech am Rechtsberatungsmarkt in Deutschland noch klein. Aber das wird sich schnell ändern, wie die Entwicklung in den USA zeigt.
„Viele realisieren, dass Legal Tech nicht nur eine nette Spielerei, sondern ein zentraler Baustein für Anwälte und Kanzleien ist, um auch in Zukunft wettbe- werbsfähig zu bleiben.“17
Hier kommt eine Auswahl jener Start-ups, die bereits jetzt deutschen Kanzleien erhebliche Konkurrenz machen, alphabetisch sortiert:

www.123recht.net:
Diese Plattform20 bietet bereits seit dem Jahr 2000 Rechts- beratung zum Festpreis im Internet. Der Sucher klickt auf das gewünschte Gebiet, findet dort einige Anwälte, deren Festpreis pro definierter Leistung neben den Fotos steht und kontaktiert ihn direkt. Beim Thema „Schadens- regulierung bei Verkehrsunfall – Schmerzensgeld, Schadensersatz?“ bieten z. B. momentan (Stand: August 2016) vier Verkehrsrechtler ihre Dienste an, honoriert mit 25 Euro – 150 Euro für jeweils konkret umrissene Leistungen. Auffällig und ausgesprochen serviceorientiert: der Button „Produkte“ neben jedem Foto führt den Sucher zu weiteren Festpreisangeboten diese Anwalts – in anderen Rechtsgebieten.

www.aboalarm.de:
Privatkunden können hier Verträge und Mitglied- schaften verwalten und kündigen. Kündigungsfristen werden automatisch eingehalten, Kündigungsvorlagen wurden von Anwälten erarbeitet. Über
2 Millionen Kündigungen nebst Kündigungsnachweis wurden erfolgreich übermittelt. Rechtzeitige Erinnerungs-E-Mail, Anleitungen und Tipps für alle Verträge und Kündigungen sowie eine App runden das Angebot ab

www.advocado.de
Das Start-up aus Greifswald vermittelt Rechtssuchenden seit 2014 den pas-
senden Anwalt zu transparenten Preisen im Internet. Über eine Online- Plattform, die das Unternehmen seinen Partner-Anwälten oder -Kanzleien zur Verfügung stellt, wird der gesamte Prozess vom Erstkontakt, über Bera- tung, Streitfall bis hin zur Rechnungsstellung und Zahlung abgewickelt. Das Unternehmen baut sein Netz von Kooperationspartner aus, dazu zählen Edeka Food Service und Volks- und Raiffeisenbanken.

www.bahn-buddy.de
Dieses Start-up macht Anwälten vermutlich nicht direkt Konkurrenz, zeigt jedoch, wie Technik zum gigantischen Mitbewerber werden wird: Enttäuschte Bahnkunden wenden sich an die Bahn-Buddies. Die Fahrkarte laden sie als PDF oder Foto noch während der Bahnfahrt hoch. Das System überprüft die Verspätung des Zuges, und der Kunde erhält ein bereits ausge- fülltes Formular, das für ihn abgeschickt wird. Erhält der Kunde das Geld, bekommt das Unternehmen eine fixe Gebühr von 1,99 Euro. Der Bahnfahrer erhält maximal die Hälfte seines Fahrkartenpreises zurück.
In ihrer Webseite werden Fahrgastrechte einfach erklärt, und in den FAQs kommen viele weitere verständliche Antworten.
„Viele Kunden beantragen ihre Entschädigung aufgrund des aufwändigen
Formulars gar nicht“, schreiben sie. Das Ziel sei es, in drei Jahren auf 100.000
Anträge pro Jahr zukommen und in fünf Jahren auf 400.000.

www.busylamp.de
Mandanten jubeln. Diese Software kontrolliert die Arbeit von Anwälten. Die
Kunden des drei Jahre alten Start-ups sind namhaft: Die New York Times oder Holtzbrinck arbeiten mit dem Tool von Busylamp. Nach eigenen Angaben nutzen Unternehmen in mehr als 60 Ländern die Software, mit der es möglich ist, die Arbeit mit externen Anwälten und Kanzleien zu verbessern. Insbeson- dere die Ausgaben und die dazu gehörigen Leistungen lassen sich mit dem Tool überwachen.

www.edicted.de
Die Plattform ist ein „Spezialistennetzwerk“ für Legal Outsourcing. Auftrag-
geber können über edicted Unterstützung bei Rechercheaufgaben zu Rechts- fragen, beim Verfassen von Schriftsätzen oder Blogeinträgen erhalten. Regis- trierte Referendare und Studenten, aber auch Anwälte nehmen den Auftrag an und stellen das Arbeitsergebnis dann dem Auftraggeber per E-Mail zur Verfügung.

www.flightright.de
Das 2010 gegründete Unternehmen in Potsdam hilft Kunden, bei Verspätun-
gen, Annullierungen oder Umbuchungen ihrer Flüge Entschädigungen nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung durchzusetzen. Im Erfolgsfall behält das Unternehmen 25 Prozent der Entschädigungssumme ein.
Flightright ist inzwischen in anderen europäischen Ländern und den USA präsent. Das Unternehmen wirbt mit mehr als 600.000 zufriedenen Kunden und einer Erfolgsquote vor Gericht von 98 Prozent.

www.geblitzt.de
Tausende von Bußgeldbescheiden sind falsch oder inhaltlich mangelhaft und lassen sich aus diesem Grund erfolgreich anfechten. Teilautomatisiert erledigt das „geblitzt.de“ seit 2013, das im Zweifelsfall auch Verkehrsrechts- anwälte vermittelt. Bei Geschwindigkeits-, Rotlicht-, Mobiltelefon- oder Abstandsverstoß tritt „geblitzt.de“ mit einer anwaltlichen Vorwurfsprüfung ein. Der Service ist für User kostenfrei. Er finanziert sich über die Lizenzgebühren, die die vermittelten Anwälte für die Software zahlen.

www.janolaw.de
Mandanten können durch einen einfachen Frage-Antwort-Dialog individua-
lisierte Rechtsdokumente selbst erstellen. Janolaw hat sich insbesondere auf Online-Shops spezialisiert, die zusätzliche Dienste wie Abmahnschutz und Update-Services nutzen können.

www.jura-online.de
Das Start-up Jura Online ersetzt den Repetitor. Jurastudenten zahlen ab 9,90 /
Monat und sind teilweise bis zu 5 Stunden am Stück lernend mit dieser Platt- form befasst. Diese Online-Lern-Lösung bietet eine automatische Anpassung der Software an den Kenntnisstand des Users.
Sofort wird klar: Dieses Modell ersetzt künftig auch in Kanzleien herkömm- liche Fortbildungsveranstaltungen. Die Autorin wartet noch auf die Kanzlei, die als erste in Deutschland ihren Mandanten (und denen, die es werden wollen), kostenlose und automatische Updates ihres Rechtswissens per Video und automatisch didaktisierte Seminare via E-Learning verpasst. Viel- leicht kann dann auch ein elektronischer Prüfer die Auswertung von Wis- senstests über Rechtsfragen übernehmen?
Die Plattform selbst kündigt an, künftig auch Recruiting-Dienste anzubieten. Denn selbstverständlich sind anwaltliche Arbeitgeber längst aufmerksam geworden. Sie können so ohne kostenintensive Recruiting-Fairs an Univer- sitäten andocken.

www.jurato.de
Das 2013 gegründete Unternehmen vermittelt über eine Online-Plattform
Rechtssuchenden den passenden Anwalt für ihr jeweiliges Rechtsproblem. Es lassen sich Beratungsangebote zum Festpreis buchen – oder die Nutzer stellen ihre Frage und mehrere Anwälte bewerben sich darum. Auch Kommu- nikation und Verwaltung der Fälle werden über die Plattform abgewickelt. Der Fokus von Jurato liegt dabei auf der einfachen Benutzerführung, einer schnellen Bearbeitung und transparenten Preisen. Zahlreiche Tools wie Voice-, Video- oder Textchat sorgen für die schnelle Kommunikation mit dem Anwalt.

www.legalbase.de
Das Start-up vertreibt Anwaltsleistungen über eine Plattform. Das Prinzip: Wer beispielsweise eine GmbH anmelden will, gibt alle grundsätzlichen Fragen über die Website ein – und kann sich dann einen der Anwälte auf der Internet-Seite aussuchen. Bei Klick auf das Problem („Arbeitszeugnis prüfen“) wird der Schlusspreis sofort angezeigt. Das „Trusted Shops“ Garantiesiegel vermittelt Vertrauen. 33.235 Anwälte (Stand: August 2016, eigene Angabe) erteilen sofortigen Rechtsrat. Anwälte haben übersichtliche Bewertungen durch andere User.

www.legalhead.de
Das Recruiting in der Rechtsbranche wird durch legalhead.de verändert, beschleunigt und transparenter gemacht. Nach dem Vorbild der Dating-App „Tinder“ können Arbeitgeber und Jobsucher mit einem „Wisch“ entscheiden, ob die jeweils andere Seite für sie interessant ist. Erst bei einem „Match“, wenn also beide Seiten sich positiv entschieden haben, werden die Parteien zusammengebracht.

www.leverton.de
Das Unternehmen ist nun drei Jahre am Markt und bietet eine cloud-basierte
Software an, die Verträge auslesen und mit Hilfe künstlicher Intelligenz ana- lysieren kann. Der Anwalt liest nicht mehr den ganzen Vertrag sondern lässt sich von der computerlinguistische Software die relevanten Stellen zeigen. Die Software erkennt nicht nur einzelne Worte, sondern auch Referenzen im Text sowie verwandte Dokumente. Auch fehlende Dokumente werden iden- tifiziert. Das System ist selbstlernend und wird bei jeder Anwendung immer genauer.
Das gelingt jetzt schon in mehreren Sprachen, die auf Knopfdruck an den relevanten Stellen ins Deutsche übersetzt werden können. Die Software ist kompatibel etwa mit SAP und kann stichtagsbezogene Informationen auto- matisch im System anzeigen.
„Wenn ein Investor zum Beispiel gleich mehrere Immobilien im Paket kaufen will, muss er schnell tausende Vertragsseiten prüfen: Er muss wissen, wie hoch die gewerbliche Mietfläche ist, welcher Mieter welches Kündigungs- recht hat oder wann er für welche Reparaturen oder Schäden aufkommen muss22

www.lexalgo.de
Das Produkt des hessischen Start-ups ist sehr komplex: Unstrukturierte
Daten werden automatisiert oder teilautomatisiert strukturiert und angerei- chert. Das soll den Entscheidungsprozess bei Rechtsfragen vereinfachen und beschleunigen.
Per Software können ihre Kunden juristische oder stark regelbasierte Prob- lemstellungen ohne großen personellen Einsatz lösen, heißt es vom Unter- nehmen. Lexalgo formalisiert die Arbeit von Experten, modelliert Fach-Know- how und teil-automatisiert juristische Überprüfungen. Personaleinsatz, Komplexität und Aufwand werden reduziert.
Die dazugehörigen inhaltlichen Module stellt der Deutsche Anwaltsverein.

www.modria.com
Das ist ein Online Schiedsgericht. Ein Beispiel für eine „online dispute reso-
lution“ sehen Sie hier: http://modria.com/how-it-works/ Ein 50 Dollar Streit um eine Gitarre wird elektronisch nach allen Regeln der Mediationskunst gelöst. Leider noch nicht auf Deutsch. Die Parteien geben beide die Eckda- ten ihrer Positionen ein. Ein teilautomatisierter Prozess endet mit einer durch mediative Elemente ermittelten Lösungsvorschlag.

www.mieterengel.de
Versteht sich als Konkurrenz zum Mieterverein. Jahresbeitrag 69 Euro. Nach
der Online-Erstberatung können User mit Kreditkarte zahlen. Fachanwälte mit 20 Jahren Erfahrung im Mietrecht antworten bei Mieterhöhung, Mietmin- derung, Schönheitsreparaturen,
Kaution, Kündigung des Mietvertrags, Räumung. Keine Wartezeiten, keine
Qualitätsunterschiede, keine Wege.

www.recht-ohne-risiko.de
Die Plattform unterstützt Kreditnehmer dabei, ihre Rechte gegenüber ihrer
Bank geltend zu machen. Wer einen Kredit vorzeitig loswerden möchte, zahlt normalerweise durch eine so genannte Vorfälligkeitsentschädigung drauf. Ob beim Hausverkauf oder bei Umschuldung, diese Regelung kostet das Geld der Verbraucher. Bis zum 21.06.2016 war es in vielen Fällen möglich, der hohen Kreditablöse durch einen Widerruf des Darlehensvertrags zu ent- gehen, da Banken häufig Fehler bei der Widerrufsbelehrung gemacht haben. Das Unternehmen ist in fester Kooperation mit den Gansel Rechtsanwälten, Berlin und kassiert ein Erfolgshonorar bei Durchsetzung bei der Bank.

www.rightmart.de
Fehlerhafte Hartz4-Bescheide, Abmahnungen, Bußgeld-Bescheide sowie
Ansprüche bei Pauschalreisen, die von einer Kanzlei online per Software automatisiert geprüft werden. Zu dem Gründerteam gehören Anwälte und IT Manager. Eine intelligente Abfrage auf der Website erlaubt eine direkte Ein- schätzung über Höhe des Anspruchs, Durchsetzungswahrscheinlichkeit und mögliche Kosten der Geltendmachung.
Rightmart lädt auf ihrer Webseite ein, „die Entwicklung unserer Software und den Aufbau dieses neuen Kanzleikonzepts hautnah auf YouTube und Facebook“ zu verfolgen. Angestrebt werden eine Echtzeit-Rechtsberatung sowie Lösungen für Bußgeldbescheide, Verkehrsunfälle und Abmahnungen.

www.smartlaw.de
Das Unternehmen bietet Nutzern die Möglichkeit, individualisierte Verträge
und Rechtsdokumente einfach, schnell und sicher online zu erstellen anstatt auf zu allgemein formulierte und oftmals veraltete Musterformulare zurück- greifen zu müssen. Mit Smartlaw können Kunden auch Anschreiben und andere rechtliche Dokumente erstellen. Es stehen ihnen Rechtstipps, Ent- scheidungshilfen, Checklisten und Anleitungen zur Verfügung.

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