Veränderungen im Kanzlei-Team: Schock, Leugnung, Anpassung, Akzeptanz…

Veränderungen im Kanzlei-Team: Schock, Leugnung, Anpassung, Akzeptanz…

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Veränderungen im Kanzlei-Team führen zunächst zu Schock, Trauer und Frust. Dann zu Einsicht, Aktion und Zukunftsorientierung.

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Die Ausgangslage

Stellen Sie sich vor: Sie seien Rechtsanwalt mit 14 Jahren Erfahrungen im Arbeitsrecht. Seit drei Jahren sind Sie Fachanwalt und haben drei Kollegen, mit denen Sie zusammen diese Kanzlei aufgebaut haben.
Sie haben aus wohlüberlegten Gründen einer weiteren quantitativen Expansion widerstanden und kriegen eines Tages zufällig heraus, dass Ihr vierter Kollege, der als letzter vor acht Jahren dazu gekommen war, sich seit drei Wochen in Vertrags-Verhandlungen mit einer anderen Kanzlei befindet.

Durch einen Sozietätsvertrag sind Sie aneinander gebunden.

Am meisten trifft es Sie, dass Ihr Kollege mit Ihnen nicht über seine Veränderungswünsche gesprochen hat. Sie haben ihm anfangs den Rücken frei gehalten, ihm Mandate verschafft und ihn in jeder erdenklichen Weise gefördert. Sie fühlen sich nun verraten.
Sie wissen, dass er seine Mandate mitnehmen wird; er war bei den Mandanten sehr beliebt. Sie wissen auch, dass er an einem feuchtfröhlichen Abend vor vier Wochen Ihrem zweiten Partner gegenüber Andeutungen gemacht hat.

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf…

Sie hatten sich nichts dabei gedacht, doch fällt Ihnen das jetzt wieder ein.
Sie hatten sich nicht vorstellen können, dass einer Ihrer Partner mehr Vertrauen genießt als Sie selbst.
Sie haben die Tränen in den Augen – das zeigen Sie natürlich niemandem! – wenn Sie an die gemeinsamen jahrelangen „pool-games“ denken – Ihre Erfindung: an einem pool-billard-tisch mitten auf dem Flur zum Nebengebäude spielten Sie mittags Pool-Billard um hohe Einsätze, während einer mit Kreide auf einer anachronistischen Tafel die Ergebnisse festhielt, alle von Plastiktellern Salat aßen und jedes juristische Gespräch verboten war.

Die sechs Phasen der Veränderung im Team

1. Der Schock

Sie hatten sich niemals vorstellen können, dass diese geschäftliche Verbindung sich jemals auflösen könnte. Zu sicher waren Sie sich: ökonomisch und emotional hatte alles gestimmt, und „never change a winning team“ ist immer schon Ihre Überzeugung gewesen. Schließlich haben Sie durch diese Überzeugung alles aufgebaut. Sie sind verwirrt und fühlen sich starr. Sie begegnen Ihrem Kollegen auf dem Flur, und als hätten Sie ein Staubtuch im Mund, können Sie äußerlich mit ihm nicht mehr sprechen. Diese Quelle scheint versiegt.
Ihr innerer Monolog dagegen ist fit wie nie: So ein Arschloch, erst profitieren und dann abhauen. Und nichts sagen. denken Sie. Aktionismus – also die Vervielfachung alter und hier untauglicher Muster – ist die Folge. Kein Lift kommt schneller durch hektisches Knopfdrücken.
Sie kontaktieren prophylaktisch einen Kollegen Ihres Vertrauens – wegen der Ausstiegskonditionen – und stürzen sich in Arbeit. Sie legen drei Nachtschichten ein. Sie aktivieren alte Mandanten und bereiten neue Akquisitionen vor. Er wird sehen, was er davon hat!

2. Die Verneinung

„Es kann nicht sein, was nicht sein darf“. Sie versuchen sich vorzustellen, dass sich die zukünftige Situation von der jetzigen kaum unterscheiden wird. War nicht ohnehin Ihr Partner ein „unsicherer Kandidat“? Hatte er nicht ohnehin weniger Interesse als Sie und der zweite an gemeinsamen Unternehmungen?
Und war er nicht stecken geblieben in einer begonnenen Entwicklung? Besser jetzt als später. Er wird schon sehen, was er davon hat, denken Sie. What you give is what you get.
Sie haben keinerlei Neigung, Ihre eigene Sicht kritisch unter die Lupe zu nehmen. „Die kleinen Dinge straft der Herr sofort“. „Jetzt erst recht.“

3. Die rationale Einsicht

Sie sehen ein, dass sich „etwas ändern muss“. Keine Ahnung, was genau. Und vor allem nicht Sie selbst! Um Sie herum muss etwas geändert werden. Ihnen fallen schnelle adhoc – Lösungen ein. „Wir brauchen sofort einen anderen Kollegen“, und auch Ihr bester Freund unterstützte Sie in dieser Richtung. Er schlug vor, das Problem schnell zu lösen, um ihm, dem Untreuen, zu zeigen, wie leicht er ersetzbar sei. „Schalte eine Anzeige in einem Fachblatt“, und: „Sprich mit allen seinen Mandanten.“ „Behalte die Oberhand und gib ihm nicht die Macht, dich arbeitsunfähig zu machen.“
Sie begeben sich intuitiv in eine kreisförmige Wagenburg mit den anderen Verbliebenen; der böse Feind kann Ihnen nichts mehr tun. Sie achten in diesem Moment nicht auf die Langfristigkeit möglicher Lösungen. Sie finden Aktionen, handlungsorientierte Vorschläge und kritikloses Mitfühlen gut und haben kurzfristig das Gefühl, die Zügel in der Hand zu halten.

4. Die emotionale Akzeptanz

Trauer kommt hoch. Etwas Sichergeglaubtes und Liebgewonnenes ist zu Bruch gegangen. Es fühlt sich nun irreparabel an. Gefühle des Sich-Nicht-Genügens und die vielleicht noch vage Erkenntnis, der Schritt habe doch mit Ihnen zu tun, schleichen sich in Ihre Einschlaf- und Aufwachgewohnheiten.
Ein Tal der Tränen nähert sich, das Ihnen das Ausmaß der Verletzung und die emotionale Tiefe des Vorgangs deutlich macht. Sie fühlen sich wie eine Mimose. Sie hätten gern eine Ritterrüstung. Sie geben unangemessen früh oder unangemessen spät Positionen in Verhandlungen auf. Sie „schwächeln“ auf der ganzen Linie. Wenn Sie wenigstens einen besten Freund hätten, dem Sie sich ehrlich zeigen könnten. Frauen haben doch so was auch. Sie entwickeln die Vorstellung, nicht mehr aktiv tun zu können und begeben sich in Resignation, die durchaus auch hier noch mit Zorn und Vorwürfen gemischt sein kann.

5. Ausprobieren

Plötzlich geht es. Sie probieren Ihr neues Leben (-sgefühl) aus und erproben auch sich und die Umgebung damit. Ist es nicht sogar so, dass einige Dinge nun einfacher sind? Sind Sie nicht im Augenblick sogar ehrlich erleichtert? Haben Sie nicht durch diese Katastrophe völlig neue, damals nicht bedachte Chancen erhalten? Gelingt jetzt plötzlich der Zugriff zu Ressourcen, die lange verschüttet waren?
Sie experimentieren in dieser Phase mit neuer Kraft, neuen Freunden, neuen Partnern, neuen Tätigkeiten, Fähigkeiten, innerer Motivation- und vielleicht mit völlig neuen Rollen.
Sind Sie nun Autor geworden? Sind Sie plötzlich Referent? Sie erlauben sich Fehler, wen Sie klug sind. Diese Phase ist ein Spiel. Sie zeigt Ihre Kreativität.
Dazu sind Erschütterungen ja da, um die Dinge darunter offen zu legen!

6. Erkenntnis und Integration

Durch ein dauerhaftes feed-back von Freunden und Kollegen festigen Sie Ausprobiertes. Anderes fällt vielleicht durch die Maschen. Sie stellen es zurück oder streichen es aus Ihrem Programm. Ihre neuen Sichtweisen arrangieren sich nun mit Ihren alten Mustern. Integrative Fragestellungen (“Wie kann ich x sicherstellen?”) unterstützen Sie. Sie begradigen sich nun endgültig.

Basis-Informationen Kanzleimarketing:

Aufsatz Marktpositionierung I
Aufsatz: Marktpositionierung II
Aufsatz: Kanzleikultur
Aufsatz: Kanzleimarketing
Aufsatz: Kanzleiwebseite
Aufsatz: Legal Tech
Aufsatz: beauty contest
Aufsatz: Honorarinformation
Aufsatz: Mandantenbefragung
Aufsatz: Mandantengespräch
Aufsatz: Mandantengespräch: Todsünden
Aufsatz: Schwierige Mandanten

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